Deutschlands Aushängeschild im MMA, Daniel Weichel (39-9), kämpft am 14. Juli 2018 in Rom bereits zum zweiten Mal gegen Patricio Freire (26-4) um die Weltmeisterschaft im Federgewicht bei Bellator 203. Wir haben Daniel im MMA Spirit in Frankfurt besucht und ein sehr ehrliches Gespräch über seinen Kampf, seine Vorbereitung und sein Team geführt. (P. S.)

MMAblog: Dein letzter Titelkampf mit Patricio Freire ist über drei Jahre her und obwohl du ihn damals fast ausgeknockt hattest und er nur vom Rundengong gerettet wurde, musstest du über drei Jahre auf eine zweite Chance warten. Kannst du erklären, warum es so lange gedauert hat?

Daniel: Zum einen stand der letzte Kampf zwischen Daniel Strauss und Freire noch im Raum und zum anderen haben viele Verletzungen dazu beigetragen, dass es sich so in die Länge gezogen hat. […] Ich glaube aber, dass alles auch immer einen Sinn ergibt oder man einen Sinn schaffen muss. In der Zeit, die zwischen den beiden Kampf gelegen hat, habe ich mich optimal auf dieses Datum vorbereitet. Auch wenn ich im November gerne gekämpft hätte, glaube ich, dass diese extra Zeit eine sehr intensive Zeit des eigenen Fortschritts und der Vorbereitung war bzw. ist.

MMAblog: Was würdest du sagen, welches ist der Bereich, in dem du dich in diesen drei Jahren am meisten weiterentwickelt hast als Kämpfer?

Daniel: Das ist immer ein bisschen schwierig zu beantworten, weil wir natürlich in allen Bereichen arbeiten. Aber ich glaube, im modernen MMA ist es eben mehr und mehr die Kunst, die Bereiche zu verbinden und dass nicht nur in einer Disziplin trainiert wird, sondern dass man es schafft, optimal auf den Gegner abgestimmt, die einzelnen Bereiche miteinander zu verknüpfen.

MMAblog: Wie oft hast du dir euren ersten Kampf angesehen?

Daniel: Ich glaube nicht, dass ich das noch zählen kann. In der ersten Zeit nach dem Kampf habe ich ihn relativ häufig angesehen und auch jetzt noch, aber ich weiß, wo der Fehler lag. Das ist für mich eine klare Sache und ich weiß, dass das nicht mehr passieren wird.

MMAblog: Welche Schlüsse hast du für dich daraus gezogen?

Daniel: Ich hatte die Verknüpfung zu meiner Ecke verloren. Ich bin rausgegangen und wollte wieder dort anknüpfen, wo die erste Runde aufgehört hatte, obwohl mir meine Ecke gesagt hatte, dass ich meine Strategie genauso weiterfahren soll und ich nichts überstürzen soll. Ich war aber in diesem Modus und wollte das Ding unbedingt zu Ende bringen. […] Das, was mich eigentlich in meinen Kämpfen ausmacht, mein Fokus, ist verschwommen und ich weiß, dass das hundertprozentig der Faktor war, weswegen ich verloren habe. Das ist jetzt auch etwas, was seit diesem Zeitpunkt in jede Trainingseinheit mit einfließt, das Bewusstsein im Moment zu sein und vor Augen zu haben, was passiert.

MMAblog: Ihr habt beide seit über einem Jahr nicht gekämpft. Glaubst du an den sogenannten „Ringrost“, dass ein Kämpfer einrostet, wenn er lange nicht gekämpft hat?

Daniel: Zu einem ist das Kopfsache und zum andern wie du trainierst. Ich glaube, manchmal sind meine Samstage hier im MMA Spirit härter als einige Kämpfe, die ich gehabt habe. Von daher glaube ich nicht an „Ringrost“.

MMAblog: Ihr habt heute noch Wettkampfsparring. Viele Kämpfer, die in ein gewisses Alter kommen, gehen dazu über, weniger hart Sparring zu machen. Wie siehst du das? Brauchst du ein hartes Sparring, um dich vorzubereiten oder kannst du es auch weniger hart angehen.

Daniel: Das variiert von Trainingseinheit zu Trainingseinheit und ist von der Planung abhängig. Ich finde, wichtig ist eine kontrollierte Härte. Man überlegt, mit wem mache ich Sparring, und dann kann man in ein sehr hartes Sparring gehen und behält aber eine gewisse Kontrolle dabei. Natürlich ist es wichtig, in der ganzen Vorbereitung auf seinen Körper zu hören. Wenn mir mein Körper sagt: „Jetzt ist eine Grenze erreicht, du musst dich erholen!“, dann muss ich das machen, obwohl es oft schwer ist, weil man motiviert ist weiter zu trainieren. Dann mache ich zwei Tage nur lockeres oder technisches Training. Das variieren wir hier im Spirit, glaube ich, ziemlich gut.

MMAblog: Du kennst Bellator aus den Tagen von Bjorn Rebney, dem alten CEO, und nun dem neuen Scott Coker. Was hat sich bei Bellator für dich verändert?

Daniel: Erstens wurde das Turnierformat, was ich im Prinzip ganz cool fand, vorerst abgesetzt. Ich war ein Fan davon zu wissen, dass man 4-5 Monate Zeit hat, um potenziell drei Mal zu kämpfen und sich dadurch in der Weltspitze nach vorne zu katapultieren und einen Titelkampf zu bekommen. Dieses Format hat mir sehr gut gefallen. Man hat durch den Wechsel auch gemerkt, dass es im Gesamten weniger Shows geworden sind, aber die Shows an sich sind größer geworden. Und was eine große Veränderung mit sich gebracht hat, ist, dass Bellator nach Europa gekommen ist und weltweit expandiert. Das freut mich und meine Fans, die jetzt besser und in größerer Zahl anreisen können. Zudem ist es ein Faktor in der Wettkampfwoche, ob man eineinhalb Stunden nach Irland fliegt oder einen ganzen Tag nach Salt Lake City. Das ist ein spürbarer Unterschied. Dementsprechend finde ich das, was Scott Coker macht, sehr gut.

MMAblog: Viele deutsche Kämpfer gehen ins Trainingscamp im Ausland, um sich vorzubereiten oder weiterzuentwickeln. War das für dich nie eine Option, länger im Ausland zu trainieren?

Daniel: Vor dem MMA Spirit habe ich auch Trainingscamps im Ausland gemacht und das ist so eine Sache. Man braucht immer ein bisschen Zeit, um sich einzufinden und um mit den Leuten seinen Rhythmus zu finden. Aber davon abgesehen, glaube ich, dass ein gutes Team immer eine gewisse Zeit braucht, um sich zu entwickeln […] und ich kann nur für mich persönlich sagen, ich brauche keine andere Trainingsoption als das MMA Spirit. Es spielen einfach extrem viele Faktoren ein Rolle, z. B. das Umfeld, die Trainer und die Trainingspartner. Ich habe Trainingspartner, die auch meine Freunde sind und eine Ehrlichkeit an den Tag legen, die mir weiterhilft. Wenn du nicht ehrlich zueinander bist, kriegst du gesagt, dass das Training gut war, obwohl es vielleicht nicht so war. Was nützt dir das? Ehrlichkeit spielt eine ganz große Rolle. […] Ich habe das Gefühl, dass ich hier den größten Fortschritt meiner gesamten Laufbahn gemacht habe und dafür bin ich meinem Team jeden Tag dankbar.

MMAblog: Du bist vor einiger Zeit Vater geworden, wenn ich das auf Facebook richtig verfolgt habe?! Gratulation dazu! Wie hat das Vater werden deine Sichtweise auf deinen Beruf als MMA-Kämpfer verändert?

Daniel: Da muss ich ganz ehrlich sagen, da hat sich schon in der Schwangerschaft etwas in meinem Kopf verändert. Natürlich kämpfen wir Kämpfer für uns. Ich will der Beste sein. Aber mit der Vaterschaft ist noch der Faktor dazugekommen, dass ich auch meine Familie ernähre und die Sicherheit für meine Familie gewährleiste. Das ist eine zusätzliche Motivation. Es freut mich einfach, mit dem, was ich liebe, meiner Familie ein gutes Leben zu ermöglichen.

MMAblog: Daniel, vielen Dank für deine Offenheit und viel Erfolg bei deinem Titelkampf. Die letzten Worte gehören dir.

Daniel: Danke. Ich möchte mich zuerst beim ganzen Team MMA Spirit bedanken, die mir dabei helfen, jeden Tag besser zu werden. Außerdem gilt mein Dank meinen Sponsoren Olimp Nutrition, Fightnature, Allianz Vollbrecht und Thai 4 More.