Am 30. Juni treffen Marco Knöbel (5-1) aus Donaueschingen und der Tscheche Jan Gottvald (6-1) im Hauptkampf von GMC 15 in Ulm aufeinander und kämpfen um den Titel im Leichtschwergewicht. Beide Kämpfer sind seit vier Kämpfen ungeschlagen, allerdings konnte Knöbel im Gegensatz zu seinem Kontrahenten vier seiner insgesamt fünf Siege vorzeitig feiern. Wir haben Marco zwischen zwei Trainingseinheiten ans Telefon bekommen, um mit ihm über den bevorstehenden Kampf zu sprechen. (P. S.)

MMAblog: Hi Marco, du kämpft am 30. Juni bei GMC 15 um den Titel im Leichtschwergewicht. Es ist das erste Mal, dass du für GMC in den Käfig steigst. Warst du überrascht, dass du gleich einen Titelkampf bekommst?

Marco: Nein, eigentlich war ich nicht überrascht. Natürlich hätte es mit Blick auf die deutsche Rangliste andere gegeben, die es auch verdient hätten, aber in Deutschland läuft es eben anders. Da Kämpfer wie zum Beispiel Stephan Pütz bei anderen Organisationen unter Vertrag sind, können sie nicht bei GMC antreten . Trotzdem freut es mich sehr, dass ich diese Chance bekomme.

MMAblog: Dein Gegner Jan Gottvald scheint sich im Stand wohler zu fühlen als am Boden. Seine einzige Niederlage kam via Submission. Stellst du dich darauf ein, den Kampf möglichst schnell auf den Boden zu bringen?

Marco: Ich versuche den Kampf immer auf mich zukommen zu lassen und in den ersten ein bis zwei Minuten meinen Gegner einzuschätzen. Ich fühle mich im Stand und am Boden wohl. Warum sollte ich ein Risiko eingehen und versuchen meine Gegner auf den Boden zu bringen , wenn ich merke, dass ich im Stand überlegen bin. Außerdem rechnet er vielleicht damit, dass ich ihn zu Boden bringen möchte. Ich kann im Training noch so viel trainieren und vorausplanen, wenn er aber plötzlich den Takedown sucht, ändert sich der Kampfverlauf komplett.

MMAblog: Du hast seit über einem Jahr verletzungsbedingt nicht gekämpft. Wie stehst du zu dem Thema Ringrost?

Marco: Ich war öfters schon verletzt, das bring der Sport einfach mit sich. Hart zu trainieren bedeutet eben auch sich schneller zu verletzten. Aber ich fühle mich genauso gut wie immer, ich benötige keinen Aufbaukampf. Man darf seinen Gegner natürlich nie unterschätzen und man muss sich im Klaren sein, dass alles passieren kann. Aber ein Kampftag ist immer gleich und ein Kampf ist ein Kampf. Man verlernt es nicht. Und mit der Erfahrung, die ich auch aus meinen Kickboxkämpfen habe, weiß ich das.

MMAblog: Du führst deine eigene Kampfsportschule „Marcos Free Fight Club“. Wie bringst du dein Privatleben, die Vorbereitung bei Planet Eater und dein Gym unter einen Hut?

Marco: Früher hat alles neben der Arbeit stattgefunden. Da musste ich nach 8-9 Stunden Arbeit am Abend ins Training. Das war natürlich stressig und ich musste Zeit aus meinem Privatleben streichen. Zudem kann man keine volle Leistung bringen. Seit dem 30.12.2017 bin ich aber nicht mehr arbeitstätig und konzentriere mich nur noch auf mein Gym, meine Arbeit als Trainer und meine Karriere als Kämpfer. Natürlich arbeite ich auch jetzt noch viel, aber das Trainingspensum von drei Stunden pro Tag ist jetzt einfacher zu managen.

MMAblog: Deinen letzten Kampf hast du bei Brave 4 in Abu Dhabi bestritten. Wie war das für dich, Auslandserfahrung in den Vereinigten Arabischen Emiraten zu sammeln?

Marco: Im Ausland zu kämpfen ist immer anders, aber Brave war sehr professionell organisiert. Wir wurden eine Woche vorher eingeflogen, hatten eine Trainingsfläche und wurden gut versorgt. Es war abgesehen vom langen Flug fast stressfreier dort zu kämpfen als in Deutschland zu kämpfen, weil man sich um nichts anderes mehr kümmern musste.

MMAblog: Manchmal hat man den Eindruck, dass Deutschland, was MMA betrifft, immer noch in manchen Bereichen ein Entwicklungsland ist. Wie bewertest du das, auch im Hinblick darauf, dass du deine eigene Kampfsportschule führst?

Marco: Ich finde nicht, dass Deutschland noch ein Entwicklungsland ist, was MMA betrifft. Wir haben viele große, gute Gyms und die Trainingsmethoden und Trainer werden immer besser. Natürlich arbeitet man in den USA anders, dort wird mehr am Cage gearbeitet. In Deutschland werden häufig noch die einzelnen Disziplinen trainiert, aber wir haben ein gutes Level. Auch die Jungkämpfer werden immer besser. Wir müssen uns vor keinem Land in Europa verstecken, lediglich Polen ist vielleicht etwas voraus. Dort wird MMA mehr anerkannt und bekommt mit KSW eine viel größere Aufmerksamkeit und auch Sendezeit im Fernsehen. Aber gerade im Bereich der Amateure haben wir uns in Deutschland verbessert, dass sehe ich auch am Nachwuchs in meinem eigenen Gym.

MMAblog: Amateure haben aber häufig Schwierigkeiten Kämpfe zu finden und sind gezwungen, schnell in den Profibereich zu wechseln. Was müsste sich aus deiner Sicht hier ändern?

Marco: Generell brauchen wir mehr Amateurveranstaltungen. Wenn man kämpfen möchte, findet man zwar einen Weg, aber es ist mit großen Strapazen verbunden, z. B. durch lange Anfahrten oder das Wiegen am gleichen Tag. Man müsste es professioneller aufbauen für Amateure, indem die Amateure das Gewicht auch am Vortag machen können. Ein weiteres Problem ist, dass es im Amateurbereich zu viele Kampfabsagen gibt, dadurch muss man immer fit sein und auch öfters kurzfristig kämpfen.

MMAblog: Vielen Dank für deine Zeit und viel Erfolg. Die letzten Worte gehören natürlich dir.

Marco: Danke. Ich möchte mich bei meinem Team bedanken, das mir den Rücken freihält, während ich mich vorbereite und Marcos Free Fight Club in meiner Abwesenheit am Laufen hält. Ein großer Dank gebührt auch Planet Eater, Sascha Hebel von der GeVaS, der sich um meine Versicherungen kümmert und meinem Sponsor Manto.