Knapp 5 Jahre ist es her, da stand Deutschlands Vorzeigehalbschwergewicht Stephan Pütz zuletzt in Deutschland im Ring respektive Octagon. Gestern, nachdem Pütz zuletzt erstmals zwei Niederlagen in Folge hinnehmen musste, war es wieder soweit. Nach Jahren in der russischen Diaspora bei M-1 stand Pütz in der Kölner Lanxess Arena im Hauptkampf von GMC 16.

Sein Gegenüber, der Tscheche Jan Gottvald, hatte sich in seinem letzten Kampf etwas überraschend gegen Marco Knöbel den GMC-Titel im Halbschwergewicht gesichert, den er nun erstmals verteidigen musste. Der Kampfbeginn ließ Gutes erhoffen: Pütz begann mit einem eingesprungenen Knie und schien gewillt, den anwesenden Zuschauern einen unterhaltsamen Kampf zu bieten. Insgesamt zeigte sich der Wahl-Frankfurter vom MMA Spirit in der ersten Runde variabler als bei seinen letzten Auftritten bei M1, setzte neben der ihm eigenen Zermürbungstaktik auch auf variable Schlag- und Trittkombinationen, mit denen er sich die erste Runde sichern konnte.

Leider verflachte die Begegnung während der weiteren Runden etwas, als Pütz sich vermehrt auf seine altbekannte – und bisher ja auch meist effektive – Taktik des Grindings verlagerte. Er shootete, pinnte Gottvald am Käfig und deckte ihn während des Großteils der folgenden drei Runden mit kurzen Schlägen und vereinzelten Kniestößen ein. Gottvald, der sich nur selten befreien und vereinzelt Takedowns setzen konnte, schien spätestens zu Ende der dritten Runde gefrustet von der Taktik des Herausforderers und ging lamentierend in seine Ecke. Doch auch in den letzten beiden Runde fand er, von einem kleinen Zwischenhoch in Runde 4 abgesehen, kein effektives Gegenmittel gegen Pütz. Ein ums andere Mal überbrückte der die Distanz und verwickelte Gottvald in sein gefürchtetes Clinchgame.

Die fünfte Runde beendete Pütz dann dominant, verlagerte den Kampf zu Rundenbeginn auf den Boden und deckte Gottvald über die gesamte Rundendauer mit kurzen Schlägen ein, so dass er am Ende eindeutig nach Punkten gewann und neuer GMC-Champion wurde. Damit gelang dem „T-800“ ein erfolgreiches, wenn auch kein sonderlich zuschauerfreundliches Comeback nach Niederlagen gegen Rashid Yusupov und Khadis Ibragimov. Eine Tatsache, die auch die beiden guten Kommentatoren Mark Bergmann und Andreas Kraniotakes hervorhoben, die die beiden Hauptkämpfe von GMC live für ProSiebenMaxx kommentierten. Aber wer könnte es Pütz – auch mit Blick auf seine weitere Karriere – verübeln, nach zwei Niederlagen lieber einen sicheren Sieg einzufahren, als beim Versuch etwas Spektakuläres zu machen KO zu gehen. Ob Pütz, der nach eigenen Angaben für drei Kämpfe bei GMC unterschrieben hat, bald auch wieder bei M1 zu sehen ist, bleibt abzuwarten. Durch den Sieg gegen Gottvald hat er jedoch einen großen Schritt gemacht, um wieder ganz oben angreifen zu können.