WLMMA öffnet am 29. September die Tore in Stuttgart für alle MMA-Fans aus Süddeutschland und zwei aufstrebende, ungeschlagene Talente aus Deutschland kämpfen in der Carl-Benz Arena um den Titel im Leichtgewicht. Wir haben mit Florian Fuchs (3-0) über seinen Kampf gegen den Hamburger Kam Gairbekov (3-0-1) gesprochen.

MMAblog: Hallo Florian, du kämpfst am 29.September bei WLMMA 41 um den Titel im Leichtgewicht gegen Kam Gairbekov. Vielleicht erzählst du uns erst einmal, wie du zum MMA gekommen bist?

Florian: Ich ringe schon seit 25 Jahren, also seit dem ich kleiner Junge bin. Ich ringe in Mannheim und wie vielleicht bekannt ist, kommt Dennis Siver [ehemaliger UFC-Kämpfer] auch aus Mannheim. Er hat damals bei uns im Ringerverein trainiert und ich habe ihn nicht gekannt und wusste gar nicht, was MMA ist. Mit der Zeit habe ich mich über seine Person und den Sport informiert und bin dann ursprünglich zum Dennis ins Training gegangen. Die Trainingszeiten dort haben mir aber nicht gepasst, weil ich berufstätig bin. Ich gehe immer relativ spät trainieren, deshalb habe ich eine Alternative gesucht und bin dann bei Benni [Benjamin Russ/ Fit Strong Safe] gelandet zunächst nur zum Grappling und dann hat eins zum anderen geführt.

MMAblog: Was war für dich das Schwerste beim Übergang vom Ringen zum MMA.

Florian: Ich denke, so wie für jeden Bodenkämpfer das Stand-up, die Deckung oben zu behalten und erst einmal seinen Stil zu finden. MMA unterscheidet sich doch extrem vom Ringen. Im Ringen gibt das Regelwerk her, dass man immer aktiv sein muss und dazu vom Schiedsrichter ermahnt wird. Durch zu viel Passivität kann man auch von der Matte gestellt werden. Wenn man den Kampfstil jetzt eins zu eins ins MMA überträgt, würde man wahrscheinlich konditionell in der zweiten Runde völlig einbrechen.

MMAblog: Heißt das, man muss sich als Ringer erst einmal bremsen?

Florian: Man muss auf jeden Fall seinen Kampfstil anpassen.

MMAblog: Dein Gegner Kam Gairbekov kommt auch vom Ringen. Was kannst du uns über ihn sagen?

Florian: Als Ringer ist er mir gar nicht bekannt, da habe ich überhaupt keine Infos über ihn. Ich habe mitgekriegt, dass er scheinbar die DGL [Deutsche Grappling Liga] in Köln gewonnen hat. Also denke ich, dass er seinen Background auch im Bodenkampf hat. Ich war beruflich die letzten drei Wochen in Hamburg in seiner Heimatstadt und habe dort natürlich auch ein bisschen trainiert, unter anderem mit einem seiner Sparringspartner. Ich bin keiner, der seinen Gegner extrem studiert und sich einen Gameplan erarbeitet, ich fokussiere mich eher auf meine Stärken. Die Jungs haben mir aber gesagt, wie er ungefähr kämpfen wird.

MMAblog: Wie kam es dazu, dass du mit seinem Sparringspartner trainiert hast?

Florian: Ich war gezwungenermaßen in Hamburg untergebracht und musste mir irgendein Gym raussuchen. Ich habe die Kontakte von Benni genutzt und bin so zu Brian Al Amin vom Hanse Gym gekommen. Brian hat mich herzlich willkommen geheißen und der Head Coach seiner MMA-Gruppe hat in der Vergangenheit wohl mit Kam [Gairbekov] gesparrt.

MMAblog: Wenn zwei Ringer aufeinandertreffen, endet es häufig im Standkampf. Bereitest du dich darauf besonders vor?

Florian: Nein, ich sehe zu, dass ich es gut durchmische und die Anteile gleich aufteile. Ich spezialisiere mich nicht auf meinen Gegner. Ich weiß, was meine Stärken sind und darauf fokussiere ich mich. Ich bin keine Vollprofi, der monatelang Zeit hat sich einen Gameplan auszuarbeiten. Ich weiß, was mir liegt und was meine Stärken sind und die versuche ich durchzubringen.

MMAblog: Du bist im Vergleich zu deinem Gegner deutlich kompakter und muskulöser gebaut. Das kann im Kampf ein Vorteil sein, aber auch in Hinblick auf die Kondition ein Nachteil. Machst du dir im Vorfeld über so etwas Gedanken?

Florian: Dass mit die Luft ausgeht? Überhaupt nicht! Wie gesagt, ich mache den Spaß ja schon seit 25 Jahren. Ich bin schon Wettkämpfer seit meiner frühesten Kindheit und über solche Sachen mache ich mir gar keine Gedanken. Es ist natürlich wirklich so, dass ich im Ringen noch nie gegen jemanden gerungen habe, der kleiner ist als ich. (lacht) Ich wiege relativ viel für meine Körpergröße und deswegen suche ich mir auch keine leichteren Sparringspartner aus, die sind immer größer als ich.

MMAblog: Viele Kämpfer in Deutschland machen direkt den Sprung zu den Profis. Du hast auch zwei Amateurkämpfe gemacht. Wie wichtig war diese Erfahrung für dich?

Florian: Ich habe damals auf einem Amateurturnier gekämpft, das war diese Shooto-Reihe. Ich habe mich aber während des Turniers verletzt. Dementsprechend konnte ich nur zwei Kämpfe machen. Rückblickend hätte ich vielleicht ein paar Jahre früher anfangen sollen mit dem MMA, man hätte dann mehr Zeit in die Amateurkarriere legen sollen, aber jetzt ist es, wie es ist. Aber grundsätzlich würde ich jedem jungen Athleten empfehlen im Amateurbereich zu starten. Nicht unbedingt wegen der Bilanz, das ist ja ein großes Thema in Deutschland, dass man die Bilanz schön halten will, sondern in erster Linie wegen der Erfahrung.

MMAblog: Du hast selbst schon erwähnt, dass du berufstätig bist und kein Vollprofi. Wie bringst du Familie, deinen Beruf und das harte Training unter einen Hut?

Florian: Meine Frau ist es nicht anders gewohnt, sie hat mich als Wettkämpfer kennengelernt, natürlich damals noch als Ringer. Die komplette Familie meine Frau besteht nur aus Ringern. Mein Schwiegervater hat zweite Liga gerungen, mein Schwager ist erster Vorsitzender bei uns im Ringerverein und mit den Cousins meiner Frau ringe ich aktuell noch in der Oberligamannschaft zusammen. Ich gehe erst ins Training, wenn die Kinder abends versorgt sind und wir gemeinsam zu Abend gegessen haben.

MMAblog.de: Wie haben deine Kollegen auf deine zweite Leidenschaft reagiert?

Florian: Die meisten kennen den Sport gar nicht. Da musste ich erst Aufklärungsarbeit leisten. Die haben schon einmal gehört, dass im Käfig gekämpft wird und sie haben natürlich ihre Vorurteile, weil keiner Bescheid weiß. Dann erkläre ich ihnen das kurz und da sie mein Naturell kennen, sind dann alle Vorurteile schnell beseitigt.

MMAblog: Spürst du nach 25 Jahren Wettkampferfahrung im Ringen noch Nervosität, bevor du in den Käfig steigst. Was geht dir dabei durch den Kopf?

Florian: Wenn ich auf die Ringermatte gehe, ist da kaum Nervosität. Wenn ich in den Käfig gehe, sieht das natürlich anders aus. Richtig nervös bin nicht, aber aufgeregt auf jeden Fall. Das muss man ja auch sein, bevor man in so eine Schlacht zieht. Der Körper bereitet sich darauf vor, dass es gleich etwas hitzig wird. Ich denke, das ist ein ganz normaler Abwehrmechanismus. Ich halte mir immer vor Augen, was meine Stärken sind und wie ich den Kampf gestalten will.

MMAblog: Hast du einen Gameplan bzw. eine Vorstellung, wie der Kampf verlaufen wird?

Florian: So einen richtigen Gameplan habe ich nicht, wie gesagt, ich fokussiere mich auf meine Stärken. Das weiß ja auch jeder, ich bin Ringer. Irgendwann wird es natürlich dazu kommen, dass ich mich am Takedown probiere. Ich weiß nicht, wie stark seine Defense ist, aber früher oder später werde ich mich durchsetzen und den Kampf auf den Boden verlagern.

MMAblog: Florian, vielen Dank für deine Zeit. Möchtest du noch ein paar Worte loswerden?

Florian: Ich möchte ganz besonders meiner Frau danken, die mir in der Vorbereitungszeit den Rücken freihält. Ich danke meinem Team vom FIT STRONG SAFE und meinem Head Coach Benjamin Russ. Außerdem danke ich der Crossfit Box Einhundert Prozent in Mannheim und dort besonders David Reichert, der meine Trainingspläne ausarbeitet.