Kam Gairbekov (3-0-1) steht vor dem wichtigsten Kampf in seiner noch jungen MMA-Karriere. Nach zwei beeindruckenden Siegen in Folge kämpft er am 29. September um den We Love MMA-Leichtgewichtstitel in Stuttgart. Wir haben mit Kam über den Kampf und seinen Kontrahenten Florian Fuchs (3-0) gesprochen.

MMAblog: Kam, du hast in einem Interview erzählt, dass du durch deinen Vater mit dem Ringen begonnen hast. Wie bist du dann zum MMA gekommen?

Kam: Den ersten Kontakt hatte ich durch Mamed Khalidov, den tschetschenischen Kämpfer bei KSW. Ich habe seine Kämpfe ein bisschen verfolgt. Ein Freund hat mich dann versucht zu überreden zum Brazilian Jiu Jitsu mitzukommen, aber ich dachte, dass das mit dem Gi Quatsch ist und in der Realität nichts bringt. Dann habe ich das erste Mal Khabib [Nurmagomedov] in der UFC gesehen und gedacht, dass scheint gar nicht so schlecht zu sein. Mein Freund überzeugte mich dann doch zum Jiu Jitsu zu gehen und es hat mir gefallen. Also habe ich es durchgezogen. In der Anfangsphase habe ich sehr viel trainiert, weil ich den Sport sehr gemocht habe. Ich mag ihn immer noch, aber nicht mehr so sehr wie früher. Das Training geht einem einfach irgendwann auf die Nerven und ich musste auch eine Klasse wiederholen, weil ich mehr trainiert als gelernt habe. Danach kam ich aber wieder auf die Beine und habe mein Abitur gemacht.

MMAblog: Du stehst am 29. September einem starken Ringer gegenüber, der noch aktiv in der Oberliga ringt. Selber hast du dieses Jahr in der Deutschen Grappling Liga die Meisterschaft bis 75 kg gewonnen. Wie siehst du persönlich deine Chancen, wenn es auf den Boden geht.

Kam: Ich habe mit 6 Jahren angefangen zu ringen, das sind jetzt 17 Jahre. Ich trainiere mit high class Leuten, auch aus der Bundesliga. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er mich ringerisch überrumpeln kann und was das Grappling angeht, wie gesagt, ich habe die DGL dieses Jahr gewonnen. Ich habe ihn da leider nicht getroffen, denn ich wäre gerne mit ihm gerollt. Insgesamt sehe ich meine Chancen ganz gut. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er mir auf dem Boden Schwierigkeiten macht.

MMAblog: Angesichts seiner Stärke im Ringen wird er den Kampf früher oder später auf den Boden verlagern wollen. Lässt du es darauf angekommen oder wirst du versuchen im Stand zu kämpfen?

Kam: Ich werde jetzt nicht die Katze spielen und ihn in meine Guard ziehen, darauf habe ich gar keinen Bock. Wenn er einen Takedown-Versuch macht, versuche ich den natürlich erst einmal zu verteidigen. Ich bin viel größer als er und habe eine größere Reichweite. Ich werde versuchen ihn auszuboxen. Er wird natürlich ringen wollen, aber ich kann auch ringen. Ich habe schon Bock darauf zu zeigen, dass ich ein genauso guter Ringer bin wie er, wenn nicht vielleicht sogar ein besserer Ringer. Ich möchte nicht überheblich wirken, aber ich werde versuchen ihn in allen Facetten des Kampfes zu dominieren, sei es Grappling, Boxen oder Kickboxen. Ich möchte ihn komplett dominieren und nicht dieses Weglaufspiel spielen. Wenn er ringen möchte, dann ringen wir. Wenn er boxen möchte, dann boxen wir.

MMAblog: Du hast das Interview mit Florian ja gelesen. Er hat mir erzählt, dass er in Hamburg mit einem ehemaligen Sparringspartner von dir im Hanse Gym trainiert hat und Informationen über deinen Kampfstil bekommen hat. Wie denkst du darüber?

Kam: [lacht] Das war ein alter Sparringspartner von mir, mit dem ich das letzte Mal vielleicht vor zwei Jahren richtig gesparrt habe. Er konnte mir damals nichts wirklich anhaben, obwohl er 20kg mehr wog als ich. Wenn er sich von ihm Tipps holt, bringt ihm das nicht viel, denn ich habe mich natürlich weiterentwickelt. Ich denke, man entwickelt sich nach jedem Training weiter, wenn man geistig und körperlich intensiv dabei ist. Florian kann mich nicht überraschen, auch wenn er weiß, wie ich kämpfe. Ich kann ihm auch ein Video schicken, wie ich Schattenboxen mache. Ein Kampf ist aber eine ganz andere Situation. Er kann sich ja auch meine Kämpfe angucken, da braucht er sich nicht von irgendjemandem Insiderinformationen einholen. Wenn es ihn voranbringt, dann bitte schön, ich wünsche ihm das Beste. Aber schauen wir mal, was im Käfig passiert.

MMAblog: Du kämpfst bereits das dritte Mal für WLMMA. Wie waren deine bisherigen Erfahrungen mit dem Veranstalter?

Kam: Ganz ehrlich, ich war positiv überrascht. Die machen ihre Sache sehr professionell. Wenn es heißt, ich kämpfe um neun Uhr, dann kämpfe ich auch um neun Uhr. Das gefällt mir sehr bei WLMMA. Die haben auch eine gute Regelungen, was den Backstage angeht. Da laufen keine 20 Leute rum, die da nichts zu suchen haben. Die machen das schon ziemlich gut, besser als andere Veranstalter. Das Einzige, was sie verbessern könnten, ist die Zusammenarbeit mit den Kämpfern, aber ansonsten bin ich sehr zufrieden.

MMAblog: Wie sehen deine Zukunftspläne aus? Strebst du eine Karriere als Vollzeitprofi an?

Kam: Ich habe mich jetzt eine Zeit lang voll auf die Bildung konzentriert und mein Abitur nachgemacht. Jetzt studiere ich Logistik im dritten Fachsemester. Deswegen habe ich auch unregelmäßig gekämpft. Es ist sehr schwierig von MMA in Deutschland zu leben. Ohne Sponsoren kommt man nicht sehr weit. Ich muss der Realität ins Auge sehen. Ich kann nicht viel damit anfangen, wenn ich alle drei Monate bei WLMMA kämpfe und ein bisschen Gage abhole. Ich versuche mich mehr auf das Studium zu konzentrieren, um dann ins Berufsleben einsteigen zu können.

MMAblog: Vielen Dank für seine Zeit, ich weiß, du bist gerade erst vom Training gekommen. Möchtest du noch ein paar letzte Worte loswerden?

Kam: Ich möchte mich bei meinen Teammates vom Gorilla Gym Hamburg bedanken und bei meinen Freunden. Außerdem möchte ich Florian [Fuchs] danken, dass er den Kampf angenommen hat. Es ist nichts persönliches zwischen ihm und mir, ich freue mich einfach gegen ihn kämpfen zu dürfen. Hoffentlich wird es ein guter Kampf und wir können das auf sportliche Art und Weise klären.