Nachdem wir heute Morgen direkt nach dem Event ja bereits unsere Storylines von UFC 229 zum Besten gegeben haben, soll an dieser Stelle der Kampf zwischen Nurmagomedov und McGregor etwas näher betrachtet werden, der aufgrund der nach Kampfende ausbrechenden Ereignisse ja leider etwas in den Hintergrund gerückt wurde. Viel Spaß beim Lesen.

Ausgangsbasis 

Der amtierende Titelträger Khabib Nurmagomedov ging als leichter Favorit in den Kämpf, während die Buchmacher in McGregor den Außenseiter sahen. Während der unbesiegte Nurmagomedov sich den Titel am 7. April diesen Jahres gegen Al Iaquinta sichern konnte, stand McGregor zuletzt vor knapp zwei Jahren im Ring.  Die Stärken der beiden Athleten konnten unterschiedlicher nicht sein: McGregor gilt als „Sniper“, als Kämpfer, der die Angriffe seines Gegenüber abwartet und dann mit einer unglaublichen Präzision seine Linke ins Ziel bringt. Nurmagomedov hingegen als einer der besten Ringer, die jemals im MMA-Käfig standen. Er verlagert das Geschehen nach Belieben auf die Matte, wo er seinen Gegnern mit hartem GnP zusetzt.

Mit Blick auf den Kampfausgang wurden für dieses klassische Duell zwischen Striker und Grappler insgesamt eigentlich nur zwei Szenarien vom Großteil der Presse für möglich gehalten: früher (T)KO-Sieg für McGregor oder dominante Vorstellung seines dagestanischen Kontrahenten.

Kampfverlauf

Während man eigentlich erwarten konnte, dass McGregor seinen Gegner kommen lassen würde, um ihn mit seiner starken Linken auszukontern, ging der Ire direkt in den Angriffsmodus. Dementsprechend dauerte es nicht lange, bis er sich in der ersten Runde auf dem Boden wiederfand. Zwar gelang es ihm, sich dort gut zu verteidigen, Akzente konnte er jedoch keine setzen. Ähnlich verlief die zweite Runde, in der McGregor zur Überraschung aller sogar einen Niederschlag hinnehmen musste, als Nurmagomedov eine rechte Overhand ins Ziel brachte. Was folgte, war ein Takedown und eine kontrollierte Runde für den Dagestani. Einzig in der dritten Runde gelang es McGregor punktuell Akzente zu setzen. So konnte er den Kampf diesmal wenigstens für ein paar Minuten im Stand halten und den Titelträger in dieser Zeit auch mit einigen Treffern durchrütteln, ohne diesen jedoch ins Wanken zu bringen. In der vierten Runde verlagerte Nurmagomedov den Kampf wieder schnell auf den Boden, konnte sich durch eine schöne Transition die Back Mount holen und zwang den Iren letztlich mit einem Neck Crank zur Aufgabe, wodurch er seinen Titel erstmals verteidigte.

Fazit

Auch wenn man McGregor zugutehalten muss, dass er sich anfangs noch recht gut auf der Matte verteidigte, bleibt festzuhalten, dass er bis auf wenige Momente in der dritten Runde chancenlos war. Nurmagomedov dominierte den Kampf fast nach Belieben und war auch im Stand Up keiner sonderlich großen Gefahr ausgesetzt. Fraglich ist, warum McGregor von Beginn an versuchte im Stile eines „Pressure Fighters“ seinen Gegner unter Druck zu setzen und sich nicht auf seine Spezialität, das abkontern gegnerischer Angriffe mit seiner linken Schlaghand, konzentrierte. Auch wenn McGregor kurz nach dem Kampf auf Twitter schon einen möglichen Rückkampf andeutete, lässt der Kampfverlauf nicht darauf schließen, dass ein weiteres Aufeinandertreffen anders ausgehen könnte. Andererseits stand McGregor seit fast zwei Jahren nicht mehr im Käfig und kehrte gegen einen der besten Leichtgewichtskämpfer unserer Zeit zurück, was rein sportlich eventuell nicht die klügste Entscheidung war.

Nurmagomedov hingegen zeigte erneut seine Weltklasse, indem er einem starken Kontrahenten auch in dessen „Fachgebiet“ Paroli bot. Auch wenn er aufgrund seines oft nicht gerade zuschauerfreundlichen Kampfstils nie ein großer Publikumsliebling werden wird, bleibt zu hoffen, dass er trotz der Vorkommnisse seinen Titel behalten darf. Und sei es nur, um ihn und „El Cucuy“ Tony Fergueson zusammen im Käfig zu sehen.

Ob Nurmagomedov seinen Titel behalten kann und gegen Fergueson antritt steht aber in den Sternen, genauso wie McGregors Zukunft. Während Nurmagomedovs Zukunft auch von der Entscheidung der NSAC über eine mögliche Strafe abhängt, werden wir McGregor wohl erst wieder im Käfig sehen, wenn es sich finanziell für ihn lohnt. Prognosen, in welche Richtung sich die Karrieren der  beiden Athleten entwickeln werden, scheinen zum jetzigen Zeitpunkt aber unmöglich.