Momentan sind die UFC-Events wieder recht eng getaktet, weshalb kommenden Samstag bereits UFC 230 vor der Tür steht. Doch warum verteidigt Daniel Cormier seinen Titel eigentlich nicht gegen Stipe Miocic?

Eigentlich war es doch ein wenig überraschend, dass Derrick Lewis nach seinem „From-behind“-Sieg gegen Alexander Volkov bei UFC 229 vier Wochen später schon wieder in den Ring steigt. Wirklich überragend war Lewis‘ Leistung nicht und – wenn man ehrlich ist – wurde er fast über die gesamte Kampfdistanz von seinem russischen Kontrahenten dominiert und nach allen Regeln der Kunst ausgeboxt. Dass Lewis in drei Tagen trotzdem um den den Titel im Schwergewicht kämpfen darf, verdankt er seiner Schlagkraft und seinem Willen. Knapp 11 Sekunden vor Ende der dritten Runde gelang es ihm, Volkov erst auf die Bretter und dann – sprichwörtlich – ins Land der Träume zu befördern.

Nun lässt sich trefflich darüber streiten, ob ein Kampf gegen einen Mann wie Daniel Cormier nur 4 Wochen nach diesem Kampf aus gesundheitlicher Sicht nicht zu früh kommt. Oder ob Lewis nach diesem und dem noch schwächeren Auftritt gegen Ngannou den Titelkampf überhaupt verdient hat. Fakt ist, ein Rückkampf zwischen Cormier und Miocic wäre ebenso vertretbar gewesen. Doch mit dem Duell zwischen Cormier und Lesnar vor Augen, das den Schlusspunkt in Cormiers Karriere setzen soll, schien der UFC (und wohl auch Cormier) ein Kampf gegen Lewis wohl, nennen wir es, strategisch sinnvoller. Lewis gehört sicherlich zu den schlagstärksten Kämpfern in der UFC, eine Variabilität, die Miocic auszeichnet, besitzt er jedoch nicht. Die Gefahr, den Titel an Miocic zu verlieren, dürfte demnach weitaus höher sein als gegen das „Black Beast“. Und ein Abschiedskampf gegen Lesnar bringt wahrscheinlich noch ein wenig mehr an Aufmerksamkeit, wenn es um den Schwergewichtstitel geht.

Wobei natürlich auch gesagt werden muss, dass Derrick Lewis den Kampf nicht geschenkt bekommen hat. Er hat sich in seinen 15 UFC-Kämpfen eine beeindruckende 12-3 Bilanz aufgebaut. Seine letzte Niederlage liegt inzwischen gut ein Jahr zurück, damals behielt Mark Hunt im Duell der Power Puncher die Oberhand. Seitdem konnte sich Lewis gegen Tybura, Ngannou und Volkov durchsetzen. Im eher dünn besetzten Schwergewicht eine durchaus respektable Siegesserie. Gleichzeitig sind die Nummer 3 und 4 im Schwergewicht (Curtis Blaydes und Francis Ngannou) in einem Kampf am 25. November gebucht.

Die UFC scheint mit dem Kampf Cormier vs. Lewis also ihr aktuelles Konzept stoisch weiterzuverfolgen: Marketing vor sportlicher Leistung. Rein sportlich gesehen wäre, so zumindest meine Meinung, ein Rückkampf gegen Miocic weitaus sinnvoller gewesen. Mit Blick auf den Kampf zwischen DC und Lesnar und dessen Vermarktbarkeit, scheint der „leichtere“ Gegner Derrick Lewis sinnvoller. Das ist nichts Neues und im Vergleich mit anderen Titelmatches, die die UFC bereits auf die Beine gestellt hat (man denke an Bisping vs. Hendo) auch kein wirklicher Skandal. es zeigt aber einmal mehr, dass der reine Sport bei der UFC nicht (mehr) im Mittelpunkt steht. Ob dem Zuschauer das gefällt oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen.