Noch 32 Stunden, dann startet mit UFC 232 das letzte – und vielleicht beste – UFC-Event des Jahres 2018. Bevor wir uns die Main Card und insbesondere den Titelkampf zwischen Gustafsson und Jones anschauen, werfen wir heute einen Blick auf die Undercard. 

Blickt man auf UFC 232, steht ohne Zweifel das zweite Aufeinandertreffen von Alexander Gustafsson und Jon Jones im Zentrum. Mehr als fünf Jahre nach dem letzten Aufeinandertreffen kommt es nun im kalifornischen Inglewood im Umfeld von Los Angeles zum Rückkampf. Doch während die meisten Augen auf dieses Duell gerichtet sind, kann auch die Undercard mit einigen namhaften Kämpfern aufwarten. 

B.J. Penn vs. Ryan Hall

Der wohl bekannteste Kämpfer im Vorprogramm von UFC 232 dürfte B.J. Penn sein. Lange Zeit galt Penn als einer der besten Leichtgewichtskämpfer der Welt, bevor er seinen UFC-Titel 2010 an Frankie Edgar verlor. Wenn man ehrlich ist, liegt der letzte gute Kampf des Hawaiianers beinahe auch schon so lange zurück. Am 29. Oktober 2011 verlor Penn einen Titel-Eleminatorkampf gegen Nick Diaz, der ihm letztmals Fight of the Night-Ehren einbrachte. Penn trat noch im Octagon vom aktiven Kampfgeschehen zurück, nur um ein Jahr später für eine desaströse Niederlage gegen Rory Macdonald ins Octagon zurückzukehren. Was seitdem folgte, war nicht weniger erfolglos. Einer klaren Niederlage gegen Frankie Edgar im Jahr 2014 folgte eine dreijährige Pause und zwei Niederlagen gegen Yair Rodriguez und zuletzt Dennis Siver im Jahr 2017. Doch obwohl er damit fünf Kämpfe in Folge verloren und seit über 8 Jahren keinen Kampf mehr gewonnen hat, scheint Penn keinen Gedanken ans Aufhören zu verschwenden. 

Ebenso wie Penn ist sein morgiger Gegner Ryan Hall eher auf dem Boden als im Stand zuhause. Hall, der erst 2012 aktiv mit dem MMA-Training begann, konnte genau wie Penn in seiner Grappling-Karriere bereits eine Reihe hochklassiger Turniere gewinnen. Nach zweijähriger Pause bietet sich für ihn mit dem Kampf gegen Penn nun die Gelegenheit, auch im MMA-Zirkus für einige Furore zu sorgen. Auch wenn Halls größter MMA-Erfolg ein Sieg über einen alternden Gray Maynard ist, gibt es wohl nur wenige Szenarien, in denen er diesen Kampf gegen einen B.J. Penn, der Lichtjahre von seiner Glanzzeit entfernt zu sein scheint, verlieren kann. 

Uriah Hall vs. Bevon Lewis

Obwohl Uriah Hall nun bereits einige Jahre in der UFC unterwegs ist – inzwischen sind es fast 6 – bleibt der Jamaikaner ein Buch mit sieben Siegeln. Teils hochklassigen Leistungen im Octagon stehen mindestens genauso viele schlechte Kämpfe gegenüber, weshalb sich der inzwischen 34jährige Mann aus Spanish Town während seiner UFC-Zeit „nur“ eine Bilanz von 6-7 erkämpfen konnte. Doch wenn Hall einen guten Tag erwischt, kann man davon ausgehen, dass er liefert. Fünf seiner sechs Siege erkämpfte er sich durch teils spektakuläre (T)KOs. Da Hall aber nur einen seiner letzten fünf Kämpfe siegreich gestalten konnte und sich zuletzt im Juli 2018 Paulo Costa geschlagen geben musste, steht er im Duell mit Bevon Lewis unter Druck. 

Und obwohl das Duell gegen Hall den ersten Auftritt von Lewis auf der großen UFC-Bühne bedeutet, hätte Hall es bedeutend leichter treffen können.  Lewis konnte bereits zweimal durch TKO-Siege bei Dana Whites Contender Series beweisen, dass er durchaus talentiert ist und nun zurecht in der UFC steht. Sein wohl größter Vorteil im Kampf gegen Hall dürfte sein, dass er rein physisch in der Lage ist den ebenfalls athletischen Jamaikaner zu kontrollieren. Hall sah vor allem dann schlecht aus, wenn seine Gegner ihm – man denke an Kelvin Gastelum – ihm körperlich ebenbürtig oder überlegen waren und ihn so die nötige Distanz, die er zur Entfaltung seines Angriffspotenzials benötigt, nicht aufbauen lassen. Schafft Lewis das, dürfte einem erfolgreichen Debüt des „Extraordinary Gentlemans“, so sein Kampfname, nichts im Wege stehen. 

Andrei Arlovski vs. Walt Harris

Wie lange Andrei Arlovski bereits im MMA-Zirkus unterwegs ist, wird deutlich, wenn man sich die Statistiken des Weißrussen ansieht. Zum Vergleich: Als der „Pitbull“ seinen ersten Kampf in der UFC bestritt, wurde in Deutschland noch mit der D-Mark bezahlt und Rudi Völler hatte gerade das Amt des Bundestrainers von Erich Ribbeck übernommen. Seit dem sind eine Jahre ins Land gezogen und Arlovski konnte sich neben dem UFC-Schwergewichtstitel (2005 gegen Tim Sylvia) einige hochkarätige Siege in zahlreichen MMA-Organisationen sichern. Nach seiner Rückkehr zur UFC und vier Siegen in Folge in den Jahren 2014/2015 wurde es seitdem wieder etwas ruhiger um den Mann aus Babruysk. Seit Januar 2016 stand Arlovski neun Mal im Octagon, konnte aber nur zwei Kämpfe für sich entscheiden, während er das Octagon sieben Mal als Verlierer verließ. Zuletzt zog er gegen Tai Tuivasa und Shamil Abdurakhimov den Kürzeren. Auch wenn Arlovski, der einer der besten Boxer im Schwergewicht ist, für seine fast 40 Jahre noch sehr gut in Form ist, wurde in den letzten Kämpfen deutlich, dass vor allem seine Schnelligkeit stark nachgelassen hat. Eine weitere Niederlage und das Kapitel UFC dürfte sich für Arlovski trotz seines Kultstatus wohl endgültig erledigt haben.

Den Schlusspunkt unter die beeindruckende Karriere des Mannes vom American Top Team will Walt Harris setzen. Der ehemalige Basketballer und Amateur-Boxer stand bisher zehn Mal im Octagon der UFC, wobei er seine Bilanz von vier Siegen und sechs Niederlagen aufzuweisen hat. Bekannt ist Harris vor allem durch seine starke Physis und Schlagstärke, so konnte er alle seine Siege durch (T)KO einfahren. Dass Harris trotz seiner körperlichen Überlegenheit in der UFC bisher den ganz großen Durchbruch noch nicht geschafft hat, ist seinem oft fehlenden Kampf-IQ zuzuschreiben. Schafft er es, die Distanz schnell zu überbrücken, müsste er den Kampf für sich entscheiden können. Gelingt ihm das nicht und der Kampf geht über die Distanz, ist es durchaus möglich, dass Arlovski ihn auspunktet.