Noch gut vier Stunden, dann werden Brian Keheller und Montel Jackson das letzte UFC-Event des Jahres einläuten. Nachdem wir gestern bereits drei Kämpfe aus der  Undercard etwas näher betrachtet haben, konzentrieren wir uns jetzt auf die Main Card.

Jon Jones vs. Alexander Gustafsson

Ohne Zweifel steht das zweite Duell zwischen Jon Jones und Alexander Gustafsson im Fokus des heutigen Abends. Nicht nur das äußerst knappe erste Gefecht der beiden Athleten, auch die Vorfälle um Jon Jones im Allgemeinen und die positive Dopingprobe letzte Woche im Speziellen mitsamt der dadurch notwendig gewordenen Verlegung des Events geben diesem Kampf eine ganz spezielle Note. Doch auch rein sportlich betrachtet verspricht das Duell Sport der Extraklasse, treffen doch zwei der besten drei Halbschwergewichtskämpfer der UFC aufeinander.

Schaut man sich die Entwicklung der Kämpfer an, fällt auf, dass Gustafssons Chancen auf den Sieg eindeutig im boxerischen Bereich am größten sind. Dort ist er „Bones“ einerseits überlegen, andererseits offenbarte der immer dann Schwächen (wenn man bei Jones von Schwächen reden kann), wenn er seinem Gegenüber physisch nicht überlegen war. Gleichzeitig verfügt Gustafsson über ein starkes Boxen, wie neben dem ersten Kampf der beiden auch im Duell mit Glover Teixeira deutlich wurde. Addiert man hierzu die gute Takedowndefense des „Maulers“ und die Anfälligkeit für Jones für Kopftreffer, ergeben sich durchaus Chancen für einen vorzeitigen Sieg Gustafssons.

Sollte der Kampf über die Zeit gehen, dürfte Jones wohl der eindeutige Favorit sein. Einerseits verfügt Jones eindeutig über den punktrichterfreundlicheren Stil (man denke nur an Gustafssons „Wegrennen“), andererseits verfügt der US-Amerikaner über das größere Offensivarsenal, was vor allem in den Championship-Runden ein wichtiger Faktor werden könnte.

Wer auch immer sich morgen Früh durchsetzen wird, darf sich dann Halbschwergewichtschampion der UFC nennen. Daniel Cormier, der amtierende Champion, hat den Titel heute niedergelegt.

Cris Cyborg vs. Amanda Nunes

Es gibt wohl nur wenige Frauen, denen man eine Chance gegen Cris Cyborg einräumt. Amanda Nunes ist eine davon. Die Brasilianerin ist amtierende Bantamgewichtschampioness und schickt sich an, mit einem Sieg über Cyborg die erste Two-Divisions-Titelträgerin der UFC zu werden. Seit ihrer letzten Niederlage gegen Cat Zingano im Jahr 2014 hat Nunes sich in jedem Bereich verbessert und konnte u.a. Siege gegen Miesha Tate, Ronda Rousey und zuletzt Raquel Pennington einfahren. Vorallem die Demontage von Rousey, die in 48 Sekunden KO ging, bescherte Nunes große Publicity. Die Stärke der 30jährigen liegt dabei eindeutig im Stand Up. Elf ihrer 16 Siege konnte sie durch (T)KO einfahren, was einer Rate von fast 69% entsprich. Gleichzeitig verlor Nunes aber auch zwei ihrer vier Niederlagen durch (T)KO.

Eine noch beeindruckendere Bilanz hat Cris Cyborg aufzuweisen. In 17 ihrer 20 Siege schlug sie ihre Kontrahenten KO bzw. bezwang sie durch TKO, was einer Rate von 85% entspricht. Der Schlüssel zum Sieg liegt für Cyborg dabei eindeutig in ihrer Schlagkraft und der Fähigkeit, ihre Gegnerinnen von Beginn an unter Druck zu setzen. Sie zeigte hingegen immer dann leichte Schwächen, wenn diese die „Abteilung Attacke“ der gebürtigen Brasilianerin zumindest ansatzweise neutralisieren konnten. Nunes Chance dürfte also darin liegen, sich nicht vom „Rush“ Cyborgs überrumpeln zu lassen und die 33jährige wenn möglich auszuboxen und ihre harten Hände ins Ziel zu bringen. Sollte der Kampf über die Zeit gehen, steigen die Chancen Cyborgs. Einerseits zeigte sie im Kampf gegen Holly Holm keinerlei Erschöpfungserscheinungen, andererseits fiel Nunes schon des Öfteren mit konditionellen Problemen auf.

Ilir Latifi vs. Corey Anderson

Knapp sechs Jahre ist es her, da debütierte Ilir Latifi als Ersatzmann von Alexander Gustafsson gegen Gegard Mousasi. Zwar verlor der Schwede diesen Kampf durch Punkteentscheid, doch gehört er heute, neun Kämpfe später, zur absoluten Elite des Halbschwergewichts der UFC. Zwei Niederlagen (gegen Jan Blachowicz und Ryan Bader) stehen insgesamt sieben Siege gegenüber. Zuletzt konnte sich Latifi, dessen Familie aus Albanien stammt, im Februar überraschend deutlich gegen Ovince St. Preux durchsetzen, den er in unter vier Minuten in der ersten Runde per Submission besiegte. Ein weiterer Sieg dürfte dazu führen, dass auch Latifi sich langsam aber sicher in Richtung Titelkampf bewegt.

Sein Gegenüber Corey Anderson hat da selbstredend etwas dagegen. Der US-Amerikaner ist sechs Jahre jünger als sein Gegenüber und konnte sich in der UFC ebenfalls eine starke Bilanz von 8-4 erkämpfen. Ebenso wie Latifi kommt Anderson mit zwei Siegen in Folge in den heutigen Kampf. Während Latifi sowohl auf dem Boden als auch im Stand zuhause ist (jeweils 5 seiner Kämpfe konnte er durch (T)KO, Submission oder Punkteentscheid gewinnen), ging Anderson in seinen Siegen entweder über die Zeit (7 mal) oder schlug seinen Gegner KO (4 mal). Egal welcher der beiden Athleten heute Abend gewinnt, er dürfte einen gewaltigen Schritt in Richtung Titelkampf machen.